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Lifestyle: Arbeiten im Einzelhandel

Vor einiger Zeit erklärte ich euch in einem Beitrag, was ich bei meiner Tätigkeit als Visual Merchandiser so leiste. Heute geht es über das Arbeiten im Einzelhandel allgemein und warum ich persönlich den Job im Verkauf nicht so einfach finde, wie es für viele den Anschein hat.

Vorab … dieser Beitrag zeigt meine persönliche Sicht zu diesem Thema und soll auf keinen Fall verallgemeinern.

Wenn ich mich heute nochmal entscheiden könnte, was ich beruflich machen möchte, wäre der Einzelhandel bzw. Verkauf auf keinen Fall mehr meine erste Wahl. Die Zeiten wo man als Angestellte im Verkauf positiv angesehen wird und man dafür im Bekanntenkreis beneidet wird weil man ja den ganzen Tag (wie z. B. in meinem Fall) von Mode umgeben ist, sind längst vorbei.

Auch wenn ich nicht direkt nur im Verkauf arbeite, sondern meinen visuellen (eigentlichen) Tätigkeiten nachgehe, werde ich mit gewissen Situationen genauso konfrontiert wie meine Kolleginnen “an der Front”. Im Verkauf arbeiten heißt nicht nur lächeln, Kunden beraten und aufräumen. Es ist ein Knochenjob der viele Nerven kostet und manchmal auch richtig eklig sein kann.

Der Kunde ist König

Eigentlich fast egal was der Kunde macht, wie er sich benimmt oder beanstandet – er bekommt in den meisten Fällen stets Recht – auch wenn es offensichtlich ist, dass es nicht stimmt was er erzählt. Und das nicht nur bei uns in der Textilbranche, sondern im gesamten Einzelhandel findet seit ein paar Jahren ein Kampf ums Überleben statt. Denn der Internethandel hat die Karten neu gemischt. Deshalb ist es sehr wichtig jeden Kunden an sich zu binden und so kulant wie möglich zu sein. Ein unzufriedener Kunde kommt vielleicht nicht mehr und/oder bestellt seine Ware in Zukunft lieber online. Dennoch gibt es leider Fälle ( seit einiger Zeit leider immer häufiger), wo so manche Kunden null Respekt vor dem Verkauspersonal zeigen und ihren Frust an ihnen auslassen.

Ein Hallo für jeden Kunden … aber manchmal nicht für Dich

Im Verkauf gehört es zum guten Ton den Kunden mit einem “Hallo” zu begrüßen. Die meisten Kunden grüßen zurück oder nicken lächelnd. Aber es gibt auch viele, welche einen komplett ignorieren. So etwas darf man dann aber auf keinen Fall persönlich nehmen.

Die Umkleidekabinen

Nicht selten sind sie größte Herausforderung an das Personal. Das man in den verlassenen Kabinen nicht nur zurückgelassene Ware findet (sondern auch wirkliche eklige Dinge) ist ja bereits bekannt und ich möchte daher nicht weiter darauf eingehen. Es reichen schon anprobierte Kleidungsstücke die wie Müll auf dem Boden zurückgelassen werden oder anprobierte Teile die mit Makeup Flecken verschmutzt sind. Auch bekannt und ich kann es nur bestätigen ist, dass Männer die ordentlicheren und rücksichtsvolleren Kunden sind als Frauen. Dies möchte ich natürlich nicht verallgemeinern aber so ist es den meisten Fällen nun Mal. Warum das so ist, kann ich mir auch nach gut 13 Jahren im Einzelnhandel nicht erklären.

Aufräumen

Die Unordnung zieht sich von der Umkleidekabine durch den gesamten restlichen Laden. Besonders während der SALE Phasen liegen gefühlt mehr Klamotten auf dem Boden als auf den Kleiderbügeln hängen. Es gibt Kunden denen es egal ist ob sie jetzt ein Kleidungsstück auf den Boden geworfen haben oder nicht. Ich musste mir vor Jahren auch schon den Kommentar hören, dass das ja unser Job ist wenn was auf den Boden fällt, aufzuräumen und warum dann sie als Kundin es aufheben sollte. In Sachen Unordnung blutet natürlich auch mein Visual Herz, wenn Kunden innerhalb von zehn Minuten deine frisch umgebaute Abteilung in der du einen Tag lang dein Herzblut investiert hast, “auseinandernehmen”.

Der Verkaufsraum ist Dein Fitnessstudio

Wie gesagt, Verkauf ist ein Knochenjob. Es ist normal, dass mein Schrittzähler täglich um die 17 km anzeigt die ich so zurücklege, die meisten davon während der Arbeit. Man ist ständig in Bewegung und unterwegs, manchmal sogar mit einer Leiter um zum Beispiel Deckenhänger anzubringen oder damit es schneller geht, ein paar zurückgelassene Sachen mehr aus der Kabine mitnimmt als man überhaupt tragen kann. Ich habe jedenfalls durch meinen Job eine gute Beinmuskulatur bekommen :)

Die Arbeitszeiten

Ich kann von großem Glück reden, dass ich als Visual Merchandiser nur einmal die Woche Spätschicht und Samstag frei habe. Bei meinen Kolleginnen im Verkauf sieht aber die Realität ganz anders aus. Man darf die Arbeitszeiten im Einzelhandel wirklich nicht unterschätzen. Meist arbeitet man dann, wenn Freunde und Familie zu Hause sind. Dinge wie z. B.Einkäufe oder Arzttermine müssen genau geplant werden.

Manchmal musst Du auch Seelsorger sein

Es gibt nicht nur Kunden die bei Dir einkaufen oder sich beraten lassen wollen. Ab und an möchten welche auch von ihren Problemen, Ängsten und Nöten erzählen. Bei dieser Art von Kunden ist dann Fingerspitzengefühl angesagt um niemanden zu verärgern oder zu enttäuschen.

Ich könnte hier noch Ewigkeiten weiter schreiben aber das würde den Rahmen sprengen. Bitte denkt dran, es ist/war meine Meinung und meine Sichtweise der Dinge. Selbstverständlich gibt es weitaus mehr körperlich und psychisch anstrengendere Jobs als die im Verkauf. Ich möchte auch keinenfalls alles schlecht reden was man im Verkauf so erlebt. Denn eins ist wichtig: wenn man ein Team hat mit dem man sich versteht und das zusammenhält (Teamplayer sein ist das A und O im Verkauf) sind alle Widrigkeiten meistens zu schaffen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Ausserdem gibt es zum Glück auch noch Kunden die einen selbst ein Lächeln ins Gesicht zaubern können und deine Arbeit zu schätzen wissen.

Arbeitet jemand von euch auch im Einzelhandel? Was sind so eure Erfahrungen?

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