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Thank you for travelling with Deutsche Bahn

Achtung! Langer Text!

Schon lange schiebe ich diesen Beitrag vor mich her, denn ich weiß nicht wo ich anfangen soll. Ein Blogpost sollte ja auch nicht zu lange werden. Es gibt aber einfach viel zu erzählen. Trotzdem versuche ich mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Wie ihr wohl alle wisst, habe ich bis vor Kurzem wegen meiner Arbeit noch gependelt. Von Nürnberg nach München und zurück. Und das jeden Tag unter der Woche, knapp zwei Jahre lang. Einige unter Euch fragten sich vielleicht: Wie kann man nur täglich so eine Strecke freiwillig mit der Bahn zurücklegen?

Du bist nicht allein

Eigentlich ist Pendeln keine Besonderheit. In dem ICE mit dem ich früh morgens unterwegs war, sah ich immer wieder die selben Gesichter. Es gab also reichlich Leute, die wie ich täglich nach München gefahren sind. Es dauerte nicht lange und man grüßte und hielt sich Stammsitzplätze gegenseitig frei. Im Prinzip war es wie in einer große Familie aus vielen verschiedenen Menschen zusammengewürfelt, die meist auch im gleichen Zug wieder nach Hause gefahren sind. Die Tatsache zu wissen das man nicht allein ist, war für mich ein großer Motivationsgrund.

Die Bahn bewegt

Naja… zugegeben,  nicht immer. Ich hatte schnell aufgehört zu zählen,  wie oft ich in diesen zwei Jahren Verspätungen wegen der Bahn hatte. Am Anfang regt man sich über alles und über jede Verspätung auf – aber irgendwann nimmt man es einfach gleichgültig  hin. Man kann auch nichts dagegen machen oder ändern.  Von technischen Defekten, Gegenständen auf dem Gleis, defekten Klimaanlagen, Polizeieinsätzen, Baustellen und leider auch Selbstmördern auf den Schienen, habe ich alles erlebt. Es gibt darunter Geschichten die man wahrscheinlich nur glauben kann, wenn man selber Bahn fährt. Meine schlimmste Verspätung mit ca. 5 Stunden (drei Stunden davon im ICE festgesessen) war durch einem Todesfall auf dem Gleis. Ein Mann hatte sich damals in einen Tunnel gestellt und auf unseren ICE gewartet. Schon alleine das ist eine ganz schreckliche Sache und so eine Situation vergisst man nie.

Dieser Zug wird bestreikt

Tja, Pech gehabt wenn die Bahn streikt. Mal eben so auf dass Fahrrad umsteigen war nicht drin. Deshalb musste ich die Streiktage zu Hause verbringen. Ich hatte zum Glück eine verständnissvolle Store Managerin. Durch die ganzen Streiktage sammelte ich fast 28 Minusstunden. Wirklich eine Menge!  Die Bahn kommt dafür nicht auf – ist ja auch höhere Gewalt so ein Streik – ja ne ist klar.

Der ICE – König der Schienen

Ansich habe ich es wirklich genossen mit dem ICE zu fahren. In knapp einer Stunde war man in München und kam relativ erholt dort an. Der ICE ist natürlich um einiges komfortabler als andere Züge. Man kann sich z. B. die bequemen Sitze und Fußstützen einstellen. So konnte ich wunderbar in der Früh die Fahrt verschlafen (wie 95% der anderen Pendler auch) und frisch und munter in München aussteigen. Eine Besonderheit ist die Strecke Nürnberg – Ingolstadt. Mit knapp 300 km/h rauscht der ICE dort hin, die restliche Strecke nach München mit entspannten 200 km/h. Und wenn die Bahn mal pünktlich war, war es dazu noch ein herrliches Gefühl an den ganzen Staus auf der Autobahn vorbeizuheizen.

Thänk ju for träwelling wis Deutsche Bahn

Für besonders lustige Momente sorgte so mancher Bahnangestellter. Entweder mit Durchsagen in einem wunderbaren Deutsch-Englisch-Geschmisch, oder mit  „Aufwachen liebe Pendler …. wir sind in München und wünschen Euch einen entspannten Arbeitstag“.  Oft kam auch „ich weiß jetzt auch nicht warum, aber wir haben schon wieder Verspätung“ …. und und und …. hier könnte man Bücher davon schreiben.

Goodbye

Und jetzt nach zwei Jahren ist das Pendeln vorbei. Ob ich die Zeit bereut habe? Auf keinen Fall! Die Erfahrungen waren es mir absolut wert. Warum habe ich damit aufgehört? Natürlich war die Fahrtzeit und die dadurch verlorene Freizeit auch ein Grund. Ich bin gerne diese Strecke gefahren, weil ich mich immer sehr auf meine Arbeit gefreut habe. Wenn mir eine Arbeit gefällt,  fahre ich lieber eine größere Strecke mit dem Zug,  anstatt in eine Arbeit gehen zu müssen,  die vielleicht nur 15 Minuten Fußweg bedeutet aber mich krank macht. Ausschlaggebend dafür,  München endgültig zu verlassen, war bei mir die finanzielle Situation. Wie man sich denken kann, ist die Fahrt mit dem ICE nicht gerade billig. Ich habe jeden Monat fast 500 Euro ausgegeben. Nicht gerade wenig.  Auch nicht bei einem guten Gehalt. Ich überlegte mir einfach,  was ich mit dem Geld sonst machen könnte ohne das die Fahrkarten alles schlucken.  Das hat mir dann also  letztendlich den Anreiz gegeben,  meine geliebte Stelle aufzugeben und etwas Neues zu wagen. Es war eine vernünftige Entscheidung. Auch wenn ich manchmal meinen ICE ein wenig vermisse,  wenn ich morgens hier in die U Bahn steige :)

Ich hoffe, der Text ist nicht zu lange geworden und ich konnte damit ein paar Eurer Fragen beantworten. Hat von Euch jemand so eine ähnliche Erfahrung gemacht oder pendelt aktuell?

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